Die Bergbaugeschichte Schellgadens

Das oberste Murtal mit seinen Nebentälern war einst Zentrum einer sehr regen Bergbautätigkeit, deren Interesse sich im beschränkten Ausmaß bis in neueste Zeit erhalten hat. Im Gegensatz zu den Edelmetallbergbauen in den Hohen Tauern im Rauriser, Gasteiner und Fuschertal hatte die Bergbautätigkeit jedoch nie die wirtschaftliche Bedeutung erlangt, nichts desto weniger gab es Blütezeiten, denen Perioden des Niedergangs folgten.

Die wechselvolle Geschichte wurde von Montanhistorikern und Montanisten immer wieder beleuchtet und interpretiert, oftmals auch im Hinblick auf eine Wiederaufnahme der Bergbaues.


Privatgewerkentum zwischen Mittelalter und Neuzeit

Im 12. Jahrhundert werden bereits die Grafen von Peilstein als Gewerken genannt. Eine Verpachtung der Bergbaue in der Muhr und zu St. Michael erfolgte 1354 durch den Erzbischof von Salzburg Ortlof von Weißenegg an zwei Bürger aus Judenburg, Hans Poin und Anderlein Schrott. 

Bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts betrieben verschiedene Gewerken Bergbaue im obersten Murtal, zu denen der Gold- und Silberbergbau in Schellgaden und der Gold-Arsenbergbau Rotgülden zählte, doch sind nähere Angaben über wirtschaftliche Erfolge nicht bekannt.

1568 eröffnete eine Kräiner Gewerkschaft unter Erasmus von Besch einen Edelmetallbergbau in Schellgaden mit nachhaltigem wirtschaftlichem Erfolg. Beteiligt am Gold- und Silberbergbau waren unter anderem Gewerken aus Gastein, wie Christoph Weitmoser und schließlich 1584 das Erzbistum Salzburg.


Privatgewerkentum im 17. und 18. Jahrhundert

Im ausgehenden 16. Jahrhundert wechselten die einzelnen Gewerken einander rasch ab, erwähnenswert ist Hans von Bemblberg, der über Jahrzehnte einen ordnungsgemäßen Bergbau betrieb.

1657 geriet der gesamte Edelmetallbergbau an den Gewerken Ferdinand von Schellenberg und wurde als Spekulationsobjekt geführt. Eine fehlgeschlagene Wirtschaftspolitik führte 1660 zur Einstellung des gesamten Montanunternehmens und in weiterer Folge zu einem Betriebsstillstand für ca. 90 Jahre. 

Der volkswirtschaftliche Schaden war enorm. Mangelnde Erzmittel infolge fehlender Hoffnungs- und Aufschlußbaue waren die Ursache, daß der Montanbetrieb unverkäuflich war.

1751 wurde der Gold- und Silberbergbau in Schellgaden durch Karl von Schnedizeny neu belebt und nach modernen Gesichtspunkten aufgeschlossen. Unter Erzbischof Graf Sigmund von Schrattenbach entfaltete sich das Montanunternehmen mit Berghauptmann Thaddäus Anselm Lürzer von Zehendthal zu einem wirtschaftlich bedeutsamen Montanbetrieb. Die Erzmittel zeigten bis zu 49,1 Gramm Gold pro Tonne bzw im Durchschnitt 37,7 Gramm Gold pro Tonne.

Die gewonnenen Erze bzw in den Erzaufbereitungsanlagen erzeugten Schliche bzw Erzkonzentrate wurden in der Silber- und Bleihütte in Ramingstein verschmolzen.

Trotz Hoffnungsbautätigkeit gingen ab 1770 die Goldgehalte in den einzelnen Abbauen insbesondere im Stübl- und Schulterbau stark zurück, selbst der bereits erwähnte Hoffnungsbau konnte kaum eine wesentliche Änderung der wirtschaftlichen Situation herbeiführen, sodaß 1819 der Gold- und Silberbergbau, der zuletzt 80 Bergleute beschäftigte, eingestellt wurde.


Bergbau im 19. und 20. Jahrhundert

Nach kurzen Betriebsperioden durch Gewerken wurden 1884/85 die Bergbauaktivitäten wieder aufgenommen und 1886 eine Gewerkschaft gegründet. Ziel der Gewerken war es, die hohen in den Erzen auftretenden Goldgehalte von 5 bis 50 Gramm pro Tonne zu fördern und einem modernen Aufbereitungsprozeß in Schellgaden zuzuführen. 1892 erfolgte die offizielle Eröffnung des Montanunternehmens, jedoch konnte ein kostendeckender Betrieb nicht geführt werden.

1896 mußten die Arbeiten in den Bergbaurevieren Schulter- und Stüblbau am Katschberg und die Erzaufbereitungsanlagen in Schellgaden eingestellt werden, nachdem das Konkursverfahren eröffnet worden war. In den folgenden Jahrzehnten diente der Gold- und Silberbergbau in Schellgaden vorzugsweise als Spekulationsobjekt.

Nach dem Anschluß Österreichs an das Deutsche Reich 1938 führte Rohstoffmangel während des Zweiten Weltkrieges zwischen 1939 und 1942 zur Aufnahme von Aufschluß- und Schurfarbeiten, die neben dem Abbau und Förderung von Gold- und Silbererzen auch auf Wolfram gerichtet waren.

Zwischen 1955 und 1980 erfolgten umfangreiche Untersuchungen montangeologischer und lagerstättenkundlicher Natur, ohne eine entsprechende Abbauwürdigkeit nachzuweisen. 

In neuester Zeit werden im Bergbaugebiet durch ein ausländisches Unternehmen eingehende Prospektionsarbeiten auf Gold und Silber durchgeführt.

 

Text: Dr. Feitzinger, St.Gilgen


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